Vortrag im Rathaussaal: Die Böbinger Seelilienkolonie und die Strategien und Lebensweise dieser Tiergruppe durch die Erdgeschichte

Im Rahmen der laufenden Fossilienausstellung im Böbinger Rathaus wird am kommenden Donnerstag, 06.Juni um 19.30 Uhr ein Dia-Vortrag über Seelilien angeboten. Werner K. Mayer von der AG Geologie des Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd spricht über Seelilien, deren Lebensweise und ihre Strategien durch die Erdgeschichte.

Seelilien, ausschließlich im Meer lebende Tiere und Verwandte der Seesterne, Schlangensterne, Seeigel und Seegurken haben eine lange Entwicklungsgeschichte. Schon im frühen Erdaltertum werden sie nachgewiesen. Ursprünglich lebten sie meist gestielt auf etwas erhöhtem Meeresboden oder Riffbereichen im Flachmeer bis in 200 m Tiefe.
Dabei entwickelten sie verschiedene Strategien, um Nahrung in Form von Plankton aus der Strömung herauszufiltern. Bereits an der Grenze von Silur zu Devon vor rund 400 Mio. Jahren nutzten sie die Möglichkeit, durch Umwandlung ihrer Wurzeln zu Schwimmbojen sich in höheren sauerstoffreichen Strömungen Nahrung zu verschaffen. Große Artenzahlen kennen wir bereits aus dem Karbon von vor 360 – 330 Mio. Jahren.
In der Oberen Trias gelang es ihren Larven, an Treibhölzern anzudocken. Daraus entwickelten sich aktiven Filtrierer mit kurzen Stielen oder auch passive Filtrierer. Letztere hatten an langen Stielen große Kronen, um die Nahrung fächerartig aufzunehmen. Solche Arten sind aus Südchina bekannt.
Eine Vielfalt kommt im Jura vor. Die Böbinger Seelilienkolonie, rund 5 Mio. Jahre älter als die berühmten Kolonien aus Holzmaden, nutzten ebenso die Möglichkeit, als „Floßfahrer“ in günstige Strömungsbedingungen zu gelangen. Aus Lagunen des Oberjuras kennt man frei beweglichen Formen.
Zu einer schwimmenden oder driftenden Lebensweise kamen sie in der Oberkreide. Ihre langen Armen zogen sie wie mit einem Schleppnetz über den Meeresboden.
Heute findet man gestielte Seelilien nur noch mit wenigen Arten in großen Meerestiefen bis 6.000 m. Dagegen haben die Haar- oder Federsterne als frei bewegliche Arten weit größere Bedeutung erlangt. Sie sind meist in Riffen anzutreffen.
Vor und nach dem Vortrag gibt es Gelegenheit zur Kurzführungen. Auch die Fossilfunde der Ortsumgehung Mögglingen können noch bis zum 22. Juni besichtigt werden.