Es war eine Überraschung besonderer Art: 1994 wurde im Gebiet Schelmen in Böbingen eine Seelilienkolonie mit geschätzten 100 qm entdeckt. 45 qm davon wurden vom Staatlichen Museum in Stuttgart ausgegraben und fachgerecht präpariert. Nun werden die schönsten zusammenhängenden Platten von rund 10 qm im Rahmen der langen Nacht der Museen am 18. Mai im Böbinger Rathaussaal wieder zu sehen sein. Die lange Nacht beginnt um 18.00 Uhr und endet um 24.00 Uhr.

Der Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd hat den Wunsch von Bürgermeister Stempfle aufgegriffen, um die Böbinger Seelilienkolonie herum eine attraktive Ausstellung aufzubauen. Daher präsentieren die NKV Naturkundler Werner K. Mayer, Michael Stegmaier, Hans Miksche und Winfried Schweizer von den Aalener Ostalb-Geologen in zusätzlichen 13 Vitrinen besondere Schaustücke. Sie wollen zwei Aspekten besonders gerecht werden.
Eine der Vitrinen zeigt Objekte der nächsten Verwandten aus dem Stamm der Stachelhäuter: einen Seestern aus dem Schweizer Jura, attraktive Seeigel aus Frankreich und Spanien, Schlangensterne aus den Solnhofer Plattenkalken und dem Bundenbacher Dachschiefer. Aber auch einige längst ausgestorbene Klassen sind dabei: Beutelstrahler aus Gotland und Knospenstrahler aus Nordamerika.
Weitere fünf Vitrinen widmen sich der Vielfalt der Seelilien aus alter Welt. Eine Ur-Seelilie, ca. 540 Mio. Jahre alt, wird ebenso gezeigt wie Schwimmbojen-Seelilien aus dem Silur von Marokko, Objekte aus den devonischen Bundenbach-Schiefern oder gestielte Seelilien aus dem Karbon von Indiana, Iowa und Utah. Besondere Aufmerksamkeit dürfte eine Kolonie mit
30 Exemplaren aus dem australischen Perm erfahren. Hier kommen die „Stacheln“ in Form von Dornen prominent zum Ausdruck. Aber auch die gestielten „lilienförmigen“ Seelilien aus dem Muschelkalk, die ältesten europäischen Seelilien auf Treibholz aus England, die Unterjura-Crinoiden aus der näheren Heimat, insbesondere auch aus Holzmaden sowie frei bewegliche Arten aus den Solnhofer Plattenkalken sind dabei.

Bei der kürzlich erfolgten Eröffnung der Umgehungsstraße Mögglingen konnten einen Tag
lang in der Mackilo-Halle die Funde von Michael Stegmaier und Winfried Schweizer betrachtet werden. Durch die rund 7 km lange Umgehung Mögglingen der B 29 war die gesamte Schichtfolge des Unterjura und des Opalinustons aufgeschlossen. Hier konnten die Sammler prächtige Funde entnehmen. Eine Vielfalt von Ammoniten, Belemniten, Muscheln, Schnecken u.a. werden in fünf weiteren Vitrinen zu sehen sein. Auch sie können nun in den kommenden sechs Wochen im Rahmen der Öffnungszeiten des Rathauses betrachtet werden.

Attraktion für Kinder am 19.05.2019 – Fossilienbuddeln vor dem Rathaus
Eine besondere Freude möchte der Naturkundeverein und die Gemeindeverwaltung den Kindern bieten. Am darauffolgenden Sonntag kann von 10.00 bis 16.00 Uhr in einem großen Schieferhaufen aus Holzmaden geklopft werden. Nicht nur, dass schöne Ammoniten und andere Tiere mit Hammer, Flachmeißel und Schutzbrille aus dem fossilträchtigen Schiefer herausgearbeitet werden können. Die Naturkundler reichern die Gesteine mit zusätzlichen Funden aus dem Jura an. Im Anschluss können die Funde durch Michael Stegmaier und Winfried Schweizer kostenlos mit dem Druckluftmeißel frei präpariert werden.
Ein Höhepunkt: insgesamt 2.5 kg Halbedelsteine warten auf ihre fleißigen Finder. Und wenn dann Eltern und Großeltern ihren Lieblingen noch etwas besonders tun wollen: Für ein geringes Entgelt können alle am Glücksrad von Michael und Winfried drehen.
Der Lohn sind schöne Gewinne in Form von Fossilien. Nieten haben Seltenheitswert.
Im Übrigen wird an diesem Sonntag rund ums Rathaus Bewirtung angeboten.

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